Fünf Lehren aus dem islamistisch-extremistischen Anschlag auf den Berliner CSD
Nach dem Berliner CSD-Anschlag: Der mutmaßliche IS-Attentäter ist den Behörden bekannt. Fünf Lehren aus den Versäumnissen.
Nach dem Berliner CSD-Anschlag: Der mutmaßliche IS-Attentäter ist den Behörden bekannt. Fünf Lehren aus den Versäumnissen.
05.08.2026
Dieser Dispatch ist auch auf Englisch verfügbar.
Am 25. Juli 2026 raste ein Mann in die Feierlichkeiten zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin. Bei dem Anschlag wurde eine Person getötet und 29 weitere verletzt; der mutmaßliche Täter wurde am Folgetag von der Polizei erschossen. Verantwortlich für die Tat war offenbar ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger mit langjährigen Verbindungen zur islamistisch-extremistischen Szene in Berlin. Er hatte zuvor versucht, sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen.[1]
Da die Ermittlungen noch andauern, sind viele Fragen offen, und wichtige Fakten könnten erst noch ans Licht kommen. Die folgenden ersten Einschätzungen sind daher mit Vorsicht zu genießen. Dennoch lassen die bisherigen Berichte über den Anschlag bereits mehrere Trends und Problemfelder erkennen, die für das Verständnis des Anschlags und für eine wirksamere Prävention künftiger Taten wichtig sein dürften:
In Deutschland gab es seit 2016 17 islamistische Terroranschläge mit insgesamt 24 Todesopfern. Seit den Anschlägen vom 7. Oktober und dem darauffolgenden Israel-Hamas-Krieg kam es in Deutschland zu 7 vollendeten Anschlägen und zahlreichen vereitelten Anschlagsplänen. Frühere Analysen des ISD kamen zu dem Ergebnis, dass eine zweistellige Zahl dieser Anschläge und Pläne auf Unterstützer des IS zurückgeht.[2]
Die Gruppe rief ihre Anhänger nachdem den Hamas Angriffen im Oktober 2023 dazu auf, Anschläge in ganz Europa zu verüben, insbesondere in Frankreich und Deutschland. Trotz des Verlusts seines Territoriums bleibt der IS eine erhebliche terroristische Bedrohung und zieht weiterhin eine neue Generation von Anhängern an, die erst nach dem Höhepunkt der Organisation Mitte der 2010er-Jahre herangewachsen sind. Nicht alle Täter oder mutmaßlichen Täter eine formale Verbindung zum IS – in manchen Fällen diente dessen Ideologie in erster Linie als Inspiration. Doch der mutmaßliche Attentäter vom Berliner CSD hatte versucht, sich der Gruppe im Ausland tatsächlich anzuschließen (siehe unten).
Feindseligkeit gegenüber LGBTQ+-Personen ist seit Langem ein zentraler Bestandteil islamistisch-extremistischer Ideologien. In den vergangenen zehn Jahren haben sich islamistisch-extremistische Anschläge und Anschlagspläne weltweit jedoch zunehmend gegen LGBTQ+-Communities gerichtet. Beispiele hierfür sind der Anschlag auf den Nachtclub Pulse 2016 in Orlando, Florida (der Täter wird in Teilen des digitalen Pro-IS-Ökosystems bis heute verehrt), der tödliche Angriff auf ein schwules Paar in Dresden im Jahr 2020 sowie das Osloer Pride-Attentat 2022. Außerdem wurden Anschlagspläne gegen LGBTQ+-Veranstaltungen in London, Wien und Zürich vereitelt.
Diese Zunahme islamistisch-extremistischer Anschläge fand parallel zu einer breiteren internationalen Welle LGBTQ+-feindlicher Gewalt von Extremisten unterschiedlicher Couleur statt. So gab es in den vergangenen Jahren beispielsweise einen deutlichen Anstieg der Angriffe auf Pride-Veranstaltungen in Deutschland, insbesondere von rechtsextremer Seite.
Angesichts der bekannten Verbindungen des mutmaßlichen Täters zum IS, seiner eindeutigen ideologischen Überzeugungen und seines Vorstrafenregisters wirft der Umgang der Behörden mit dem Fall im Vorfeld des Anschlags erhebliche Fragen auf. Gleichzeitig ist es wichtig, sämtliche Details des Falls zu untersuchen, anstatt vorschnelle Schlüsse zu ziehen.
Laut ersten Berichten begann der mutmaßliche Täter sich ab 2020 zu radikalisieren und war den Verfassungsschutzbehörden aufgrund seiner Verbindung zu einer islamistisch-extremistischen Jugendgruppe bekannt. Zudem besuchte er regelmäßig eine Berliner Moschee, die zuvor bereits mit Extremismus in Verbindung gebracht worden war, unter anderem weil Personen aus ihrem Umfeld sich dem IS in Syrien und im Irak angeschlossen hatten. Im Jahr 2025 versuchte der mutmaßliche Täter, nach Mauretanien [3] zu reisen und sich dem IS in Syrien anzuschließen. Dabei versuchte er, Kontakt zu Personen im Libanon aufzunehmen, die er für IS-Mitglieder hielt. Er wurde daraufhin von den libanesischen Behörden festgenommen, drei Monate inhaftiert und nach Deutschland abgeschoben. Dort wurde er bei seiner Ankunft erneut festgenommen und im Mai 2026 wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat verurteilt – das Gericht sprach eine Vorbewährung nach Jugendstrafrecht aus.
Im Rahmen seiner Bewährungsauflagen stand der mutmaßliche Täter zudem in Kontakt mit einem renommierten Ausstiegs- und Deradikalisierungsprogramm, obwohl dort schon vor dem CSD-Anschlag Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Mitwirkung bestanden.
Das Bundeskriminalamt stufte den mutmaßlichen Täter als Hochrisikoperson ein. Die Behörden stehen zweifellos vor der Herausforderung, eine große Zahl potenzieller Gefährder im Blick zu behalten; allein 420 islamistische Extremisten gelten als gewaltbereit genug, um Anschläge zu verüben. Eine lückenlose Überwachung all dieser Personen ist damit unmöglich. Der mutmaßliche Täter wurde jedoch engmaschig überwacht, mit täglicher Auswertung von Überwachungsaufnahmen und Kommunikationsdaten. Ermittler schlugen Alarm, als der mutmaßliche Täter eine Spielzeugpistole bei sich trug, was zu einer Polizeirazzia führte. Dennoch konnten die Behörden den Anschlag nicht verhindern.
Insgesamt ist nur schwer nachvollziehbar, warum der mutmaßliche Täter bereits wieder auf freiem Fuß war und lediglich an einem gerichtlich angeordneten Deradikalisierungsprogramm teilnahm. Sowohl die Wissenschaft als auch die Praxis zeigen, dass der Ausstieg aus extremistischen Gruppen in der Regel durch Enttäuschung über Ideologie, Führung, Strategie oder taktische Entscheidungen ausgelöst wird. Den bisherigen Berichten zufolge lässt sich im Fall des mutmaßlichen Täters keiner dieser Indikatoren feststellen, auch wenn die Ermittlungen noch andauern. Haftstrafen allein sind zwar weder eine vollständige noch eine dauerhafte Lösung, um die von radikalisierten Personen ausgehende Gefahr zu mindern. Dennoch bietet sie eine Gelegenheit, den Ausstiegsprozess anzustoßen und zu fördern. Die Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm kann ein wichtiges Instrument im Kampf gegen extremistische Gewalt sein, ist jedoch kein Allheilmittel, um die Öffentlichkeit vor hochradikalisierten Personen zu schützen.
Auch wenn das territoriale „Kalifat“ zerschlagen ist, übt der IS online weiterhin eine starke Anziehungskraft auf junge Zielgruppen aus. Der mutmaßliche CSD-Attentäter, der bei der Ausrufung des IS-Kalifats 2014 gerade einmal neun Jahre alt gewesen wäre, ist dafür ein anschauliches Beispiel: Berichten zufolge teilte er ab 2024 IS-Propaganda auf Instagram, bevor er versuchte, sich der Gruppe tatsächlich anzuschließen (siehe oben). Laut Angehörigen verbrachte er viel Zeit im Internet und hatte eine kleine Gefolgschaft auf seinen Accounts, über die er islamistisch-extremistische Ideologie propagierte.[4] Forscher des ISD haben den wahrscheinlich dem mutmaßlich Attentäter zuzuordnenden Telegram-Kanal ausgewertet. Dabei fand sich eine Mischung aus Rezitationen und Naschids[5] sowie eine Predigt, welche die Demokratie ablehnt, gegen Juden, Christen und eine Vielzahl islamischer Prediger hetzt und Gruppen wie die Muslimbruderschaft, die Hamas und Hayat Tahrir al-Sham zu Ungläubigen erklärt.
ISD-Recherchen aus den Jahren 2025 und 2026 zeigen, dass sich das Online-Ökosystem des IS weiter ausbreitet. Teilweise erzielen die Akteure mehr Reichweite, indem sie gezielt auf populäre Plattformen wie TikTok, Facebook und Instagram setzen. Ein Großteil dieses Ökosystems stützt sich auf ein Rückgrat inoffizieller Unterstützerkanäle – ISD hat bislang knapp 107 solcher Gruppen katalogisiert. Diese Accounts verbreiten offizielles Material der Organisation und produzieren zugleich eigene Inhalte, die teils selbst zu Anschlägen aufrufen.
Unsere Recherchen zeigen, dass terroristische Propaganda in sozialen Medien nach wie vor leicht zugänglich ist, neben legalen, aber gleichwohl extremistischen Inhalten, die auch zur Radikalisierung beitragen können. Islamistisch-extremistische Online-Propaganda wird zunehmend durch KI-generierte Inhalte ergänzt. Breitere salafistische und islamistisch-extremistische Online-Subkulturen ziehen weiterhin junge Menschen an: Pro-IS-Inhalte verbreiten sich zunehmend auf Plattformen, die junge Nutzer ansprechen, etwa auf TikTok und Roblox, wo Anhänger der Gruppe mehrsprachige Propaganda und virtuelle Welten kreieren, die dem Kalifat des IS nachempfunden sind.
Nach terroristischen Anschlägen versuchen extremistische Bewegungen üblicherweise, die Gewalttat für sich zu nutzen, um ihre Narrative zu stärken, Anhänger zu mobilisieren und zu weiteren Anschlägen zu ermutigen. Die Reaktionen von IS-Anhängern auf den Berliner CSD-Anschlag folgen genau diesem Muster.
IS-Anhänger im Netz verehren sowohl Attentäter, die vom IS inspiriert oder von der Organisation direkt gesteuerte wurden. Der Anschlag befeuerte bestehende Diskurse, die sich gegen die LGBTQ+ Community richten. IS-Anhänger verehren beispielsweise seit Langem Omar Mateen, den IS-inspirierten Attentäter des Anschlags auf den Nachtclub Pulse im Jahr 2016 – dem tödlichsten Angriff auf die LGBTQ+-Community in den USA. Dies äußert sich in Videos und Memes, die ihn auf TikTok, Facebook, Instagram und anderen Plattformen verherrlichen – eine Praxis, die als „Mateenposting“ bekannt ist. Ähnliche Muster im IS-Ökosystem finden sich in Videos, die Kämpfer dabei zeigen, wie sie mutmaßliche Angehörige der LGBTQ+ Community von Hausdächern stürzen – aus der Zeit, als die der IS große Gebiete im Irak und in Syrien kontrollierte. IS-Anhänger im Netz richten sich mitunter mit Phrasen wie „auf die Dächer“ gegen LGBTQ+-Aktivisten, eine Anspielung auf diese Form gezielter Gewalt.

Abbildung 1: Online-Inhalte, welche die Taten des mutmaßlichen Berliner CSD-Attentäters verherrlichen, unter anderem durch das Feiern der Zahl der Todesopfer und Verletzten (links).
Unmittelbar nach dem Berliner Anschlag fanden ISD-Forscher auf TikTok Videos, in denen mithilfe des KI-Videogenerators Viggle AI tanzende Versionen des Attentäters neben einer spielerisch aufbereiteten Zählung der Todes- und Verletztenzahlen erstellt wurden. In einem dieser Videos wurde offenbar eine Nachbildung des Ansagers aus dem Videospiel Mortal Kombat verwendet. Viggle-AI-Inhalte wurden von anderen Unterstützern im Netz auch genutzt, um Mohammed Emwazi zu feiern, einen als „Jihadi John“ bekannten IS-Kämpfer, der 2015 getötet wurde. In einem weiteren TikTok-Video wurden der Berliner Attentäter und Mateen nebeneinander tanzend gezeigt, während im Bild ein spielerisch gestalteter Kill-Count erschien.
Tanzende dschihadistische Attentäter sind auch in anderen gewaltverherrlichenden Online-Milieus auf TikTok aufgetaucht. So wurden solche Inhalte etwa von selbsternannten Mitgliedern von Total Christian Death (TCD) verbreitet, einer Untergruppe der True Crime Community (TCC), einer Internet-Fanszene mit einer obsessiven Faszination für prominente Massenmörder. ISD-Forscher fanden TCD-Accounts, die Versionen des KI-generierten Tanzvideos des Berliner Attentäters teilten. Diese Überschneidung verdeutlicht das zunehmend hybride Online-Umfeld und zeigt, wie klassische Grenzen zwischen ideologisch geprägten Communities durch eine gemeinsame Affinität zu Gewalt häufig überwunden werden. Dies spiegelt eine Bedrohungslandschaft wider, in der Bildmaterial und Motive unabhängig von ihrem ideologischen Kontext aus gegensätzlichen Weltanschauungen – etwa dschihadistischen oder neonazistischen sowie gewaltbereit-nihilistischen Online-Communities [6] – herausgepickt werden, primär wegen des Schockeffekts. Die Forscher fanden zudem zwei TikTok-Live-Sessions, in denen sowohl Hosts als auch Gäste den Attentäter glorifizierten und zu weiteren Anschlägen aufriefen; diese Sessions erhielten mehrere tausend Likes. Live-Sessions auf TikTok festigen die Ideologie der Gruppe und dienen gleichgesinnten Extremisten zugleich als Forum, um Feindbilder zu markieren.

Abbildung 2: KI-generierte Online-Inhalte, welche die Taten des mutmaßlichen Berliner CSD-Attentäters verherrlichen, darunter Bilder des mutmaßlichen Täters im Himmel (links) und neben dem Pulse-Attentäter Omar Mateen (rechts).
Eine bekannte, IS-nahe „Social-Media-Raid“-Gruppe veröffentlichte fast unmittelbar nach der Veröffentlichung des Namens und des Bilds des Berliner Attentäters zwei Beiträge. Einer davon zeigte ein eindrückliches Bild des Gesichts des Täters neben einem KI-generierten Bild von Polizisten im Hintergrund, versehen mit dem englischen Text „The Science of Trampling“ (etwa: „Die Wissenschaft des Niedertrampelns“). Das Video war mit einem deutschsprachigen IS-Naschid unterlegt, dazu Audioaufnahmen des aktuellen IS-Sprechers Abu Hudhayfah al-Ansari, der frühere Anschläge verherrlichte (etwa den Lkw-Anschlag in New Orleans an Silvester 2024). Das Video erreichte in knapp 24 Stunden 13.700 Aufrufe. In den Kommentaren zeigten sich deutsche Anhänger der Gruppe erschüttert über den Tod des Berliner Attentäters.
Auf Facebook, wo ein Unterstützer des IS nach wie vor versuchen Moderationsbemühungen zu umgehen, machten IS-Supporter anderen Mitgliedern der Szene Vorwürfe, weiterhin nur zu posten, statt (wie der mutmaßliche Berliner Attentäter) „Männer der Tat“ zu sein. Ein Beitrag zeigte das Bild des mutmaßlichen Attentäters auf einem stilisierten Poster, das andere zur Unterstützung des Anschlags animieren sollte.
In den kommenden Monaten wird es wichtig sein, genau zu beobachten wie Online-Communities den Täter verherrlichen sowie LGBTQ+-Communities herabsetzen. Solche Erkenntnisse können Forschern, Sicherheitsbehörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen helfen, das Risiko von Nachahmungstaten einzuschätzen, sich wandelnde Propagandastrategien zu verstehen und wirksamere Präventions- und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Der Berliner CSD-Anschlag zeigt, dass der islamistische Extremismus – insbesondere in seiner vom IS inspirierten oder mit ihm verbundenen Ausprägung – eine anhaltende Bedrohung für die öffentliche Sicherheit in Deutschland bleibt. Der Anschlag verdeutlicht, wie die IS-Ideologie weiterhin eine neue Generation von Tätern inspiriert, auch im Netz. Dies erfordert eine konsequentere und robustere Moderation terroristischer Inhalte im Netz durch die Plattformen, aber auch eine enge Beobachtung von Online-Ökosystemen, die Gruppen wie den IS unterstützen. Darüber hinaus sollten Plattformen über die reine Inhaltsmoderation hinaus ein breiteres Spektrum an Maßnahmen ergreifen, um die Reichweite legaler, aber extremistischer Inhalte einzudämmen, die Radikalisierungsprozesse im Netz befeuern können. Dazu zählt auch die Reduzierung der algorithmischen Verstärkung solcher Inhalte.
LGBTQ+-Communities und Pride-Veranstaltungen scheinen zunehmend zu symbolträchtigen und häufigen Zielen extremistischer Anschläge zu werden, auch von islamistisch-extremistischer Seite. Initiativen von Regierung und Zivilgesellschaft gegen LGBTQ+-feindliche Einstellungen – von denen viele von Mittelkürzungen betroffen sind – sowie der Schutz gefährdeter Veranstaltungen müssen verstärkt werden.
Vor allem aber werfen die bisherigen Berichte über den Anschlag die Frage auf, ob Justiz und Strafverfolgungsbehörden die vorhandenen Instrumente wirksam genutzt haben oder ob neue Befugnisse nötig sind. Der mutmaßliche Täter hatte wiederholt sein Bekenntnis zum IS unter Beweis gestellt und war den Behörden bereits bekannt. Die zentrale Frage für die weiteren Ermittlungen wird sein, wie die Behörden künftig eine angemessene Strafzumessung, ein wirksames Risikomanagement und eine belastbare Prävention sicherstellen können. Anstatt Sündenböcke für den Berliner CSD-Anschlag zu suchen, sollte das Ziel sein, Lücken zu identifizieren, Abläufe zu verbessern und die Gefahr für die Öffentlichkeit zu minimieren.
[1] Der mutmaßliche Täter stammte aus einer libanesisch-schiitischen Familie, zu der er laut Angaben seines Vaters weiterhin Kontakt hielt, trotz der genozidalen Ideologie des IS gegenüber Schiiten. Zudem legt eine Recherche von Yassin Musharbash in Die Zeit nahe, dass die Tante des mutmaßlichen Täters mit dem berüchtigten islamistisch-extremistischen Ideologen Omar Bakri Muhammad verheiratet ist; zwei von dessen Söhnen fielen im Kampf für den IS in Syrien und im Irak. Berichten zufolge bewunderte der mutmaßliche CSD-Attentäter seine Cousins und berief sich auf sie, als er versuchte, Kontakt zu IS-Mitgliedern im Libanon aufzunehmen.
[2] International sind seit dem 7. Oktober vom IS inspirierte oder gesteuerte Anschläge keine Seltenheit; sie richten sich häufig gegen jüdische, christliche und feiertagsbezogene Ziele. In früheren Analysen stellte das ISD fest, dass zwischen Januar 2024 und Dezember 2025 11 von 26 Anschlägen (42 %) und 27 von 84 vereitelten Anschlagsplänen (32 %) außerhalb von Regionen, in denen der IS in Kampfhandlungen verwickelt ist, sich gegen jüdische oder israelische Gemeinden und Institutionen in 14 Ländern richteten.
[3] Der mutmaßliche Täter gab Berichten zufolge an, er habe nicht beabsichtigt, sich dem IS in Mauretanien oder dem benachbarten Mali, wo dieser aktiv ist, anzuschließen, sondern sei dort gewesen, um seine Religion zu studieren oder Urlaub zu machen.
[4] Berichten der Welt zufolge waren einige online aktive islamistische Extremisten über die Anschlagspläne informiert und feierten die Taten des mutmaßlichen Täters bereits online, bevor sie verübt wurden.
[5] Naschids sind eine Form islamischer Vokalmusik. Auch wenn Naschids nicht per se extremistisch sind, werden sie mitunter von extremistischen Gruppen wie dem IS genutzt, um ihre Ideologien zu verbreiten.
[6] Gewaltbereit-nihilistische Communities verfügen über keine ideologische Motivation, sondern werden stattdessen von einer menschenverachtenden Weltsicht angetrieben.
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